Sunday, June 17. 2007Zurück aus Valencia
Es muss im Jahre 2002 gewesen sein, als ich meine liebe Freundin Pauline aus Plouagat in der Bretagne als meine Partnerin beim Schüleraustausch kennenlernte. Seit diesem Zeitpunkt blieben wir immer in Kontakt, man sah sich sogar zwei Mal in Kassel wieder. Jedes Mal, wenn ich dann mal wieder in die Bretagne wollte, hielt sich das engagierte Fräulein in den letzten Winkeln der Welt auf, Yucatán, Togo, was weiß ich, um sich dort für Kaffee Fair Trade einzusetzen.
Seit einem Jahr weilt sie nun in Valencia und es schien fast unmöglich, ein neues Treffen zu realisieren. Am Dienstag hat es dann endlich geklappt. Ich habe mir Andreas und Eva geschnappt und nach einer achtstündigen Busreise kamen wir in der noch vom America's Cup etwas geschwächten Mittelmeerstadt an. Bei stetigen 34°C genossen wir nicht nur Hortacha, ein fürchterlicher Getreidedrink, dortzulande leider Spezialität der Region, sondern auch Strand, Meer und Touritour. Leider wurde der letzte Tag durch den Stich einer fiesen, intriganten Zickenwespe in meine rechte Hand etwas getrübt. Alles in allem vier entspannte Tage - ein schöner Ausklang des Spanienaufenthaltes. Außerdem ein krasser Gegensatz zu Salamanca. Während mein Zuhause auf Zeit eine kleine, gemütliche, sauber-aufgeräumte und spießige Mittelalterstadt ist, tobt in Valencia auch bei tropischen Temperaturen das wilde Leben, es gibt Kriminelle, Schmutz und sanierungsbedürftige Gebäude. Es kam uns fast vor wie eine Auslandsreise... zumindest eine völlig andere Welt. Nachts bestimmt durch die Angst vor den permanent deinen Weg kreuzenden Kakerlaken. In Valencia kommt einem auch die dreistündige Siesta nicht so sinnlos vor. Man kann dort in der Mittagszeit einfach nicht existieren. Hier regnet es ja ohnehin immer, da fehlt irgendwie die Rechtfertigung. Ja. Dann sind wir also gestern nach Hause gekommen in eine unglaublich verdreckt Bude. Die werte Senorita italienische Mitbewohnerin meinte, uns vor ihrem zweiwöchigen Urlaub in Portugal einen schimmeligen Saustall in Wohnzimmer und Küche hinterlassen zu müssen. Es gibt kein sauberes Geschirr mehr, es stinkt nach Verwesung und ich bin entsprechend sauer. Das war kein schöner Abschluss unserer Freundschaft. Gut, dass ich sie nie wieder sehen muss. Lustige Fotos gibt es wie immer: hier. Monday, June 11. 2007Koffer Hoffer
In den letzten Wochen des Auslandssemesters wird man gern gefragt: Und, was hat Dir Dein Auslandssemester jetzt gebracht?
Es ist äußerst kompliziert, auf solche Fragen zu antworten.Ich werde mich gegen Ende nochmal ausführlich darüber auslassen. Aber über einen Umstand bin ich mir hier doch stark bewusst geworden: Im Zuge der ganz allmählich beginnenden Vorbereitungen zur Abreise nach Deutschland beginne ich festzustellen, dass ich mit viel weniger Krimskrams auskomme, als bisher geglaubt. Ich bin zwar schon im Vergleich zu vielen Kolleginnen mit eher wenig Gepäck angereist, habe aber trotzdem Dinge mitgebracht, die ich nicht ein einziges Mal verwendet habe. In zwei Gepäckstücken, deren Inhalt mir hier ein halbes Jahr lang zur Verfügung stehen sollte, war anscheinend noch genug Platz für nutzlosen Kram, von dem ich überzeugt war, ihn hier zu benötigen. Wenn auch nur für's allgemeine Wohlbefinden. Jetzt wird radikal aussortiert: Es kommt nichts wieder zurück nach Deutschland, was ich hier nicht mindestens 5 Mal in der Hand gehabt habe. Ausgenommen sind natürlich die Bücher. Bücher wirft man nicht weg. Da ich hier einen enormen Bücherverschleiß hatte und einige manchmal nur ein Mal in der Hand hatte, weil ich sie innerhalb einer Nacht verschlingen musste, werden damit schon 1/4 meines Gepäcks belegt sein. Nur eins, vom Goldmann Verlag, darf dahin, wo Bücher dieses Verlages einfach hingehören: In die Mülltonne der Plaza San Justo, die Nacht für Nacht zur öffentlichen Toilette umfunktioniert wird. Ich habe also ein halbes Jahr lang vom Inhalt eines Trekkingrucksacks und einer Reisetasche gelebt und werde mir immer deutlicher darüber bewusst, dass es mit diesem meinen Lieblingslaster, dem Hang zu Kitsch und Kinkerlitzchen, spätestens bei meiner Ankunft in Kassel endlich vorbei sein muss. Schon bei der Auflösung meiner alten Wohnung habe ich säckeweise Klamotten und Dekoartikel weggeschmissen. Trotzdem musste ich noch 30 Kisten auf dem Dachboden meines Vaters zwischenlagern. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie das verteilt auf mickrige 40qm ausgesehen hat. Wie kann man so jung sein und über soviel Mist verfügen? Ich habe jedenfalls das unstillbare Bedürfnis, mich beim nächsten Einzug dieses ganzen Zivilisationsmülls zu entledigen. Bis September werde ich ja wahrscheinlich weiter aus meinen beiden Taschen leben, solange ich auf dem Campus im fesch möblierten WG-Zimmer hause. Der endgültige große Befreiungsschlag wird stattfinden, wenn ich die Kisten vom Dachboden in die neue Wohnung importiere. Das wird ein Spaß! Sunday, June 10. 2007Sonntags im Park
Wenn die Sonne scheint und wir nichts zu tun haben, so wie es also seit geraumer Zeit der Fall ist, gehen wir gern in den Park, um auf der Wiese zu ratzen, Stadt-Land-Fluss zu spielen und zu lesen.
Bei dem Park handelt es sich um den parque de los jesuitas, wochenends von Familien und Fußball spielenden Kindern frequentiert, außerdem von sonnensüchtigen Erasmusstudentinnen aus Nord- und Mitteleuropa. In der Mitte gibt es ein unglaublich dreckiges, dunkles Café, in dem man sich ein Salmonelleneis kaufen kann. Dort haben wir schon viele Nachmittage verbracht. Auch heute beinhaltete unsere Freizeitgestaltung eine Siesta im Park. Diesmal allerdings konnten wir unser angestammtes Plätzchen nicht aufsuchen, da sich dort ein Hund herumtrieb, so hätte sich die liebe Eva nicht entspannen können. Also diesmal ein anderes Fleckchen. Decken ausgebreitet, hingeräkelt und gequatscht. Alle paar Minuten spazierten einzelne Herren auf und ab und lukten verstohlen rüber. Das waren wir schon gewöhnt. Der ein oder andere Opi im Park freut sich einfach mal ganz ehrlich über den Anblick von drei jungen Damen. Denen lächelt man dann freundlich zu und geht weiter. Ein etwas jüngeres Exemplar machte es sich heute auf einer Bank in etwa 20m Entfernung bequem. Baseballcap auf, Ohrstöpsel in den Ohren. Ab und an mal drehte er sich zu uns und schaute rüber. Meine beiden Begleiterinnen fingen so langsam an, sich zu beschweren. Ich habe ihn verteidigt. Auch ein alleinstehender Herr darf mal auf einer Bank sitzen und Musik hören. Außerdem schaut er vielleicht Vögelchen hinterher oder einfach nur so in der Gegend rum. Als er aufstand und wir überzeugt waren, dass er jetzt sicherlich heimgeht, war allerdings auch ich erleichtert. Er brach den Heimweg leider schnell ab und entschied sich, uns bei offener Hose eindeutige Handbewegungen ausführend auf unserer Wiese zu besuchen. Ich brauchte ungefähr 10 Sekunden, bis ich aufstand und brüllenderweise auf ihn los gerannt bin. Zuerst auf deutsch geflucht, bis mir dann einfiel, dass er das höchstwahrscheinlich nicht verstehen würde. Ich hab ihn mal auf spanisch gefragt, ob er sich nicht schämt, mit so einem kleinen Gerät, und ihn aufgefordert, sich schnellstmöglich vom Acker zu machen. Ich war sowas von geladen, dass ich ihm eigentlich gern noch einen ordentlichen Tritt zwischen die Beine verpasst hätte, da war er aber schon am wegrennen. Eine große Genugtuung war das, ihn wenigstens ein paar Meter rennen zu sehen. Je weiter er weg war, umso lauter habe ich gebrüllt. Als er dann außer Sichtweite war, ging's wieder zurück auf die Wiese, wo sich die beiden anderen Damen zwischen Lachanfall und Empörungsschluchzen nicht entscheiden konnten. Ganz so entspannt waren wir jedenfalls alle nicht mehr. Es folgte eine lange Diskussion über allein umher spazierende Herren. Ich war sofort der Meinung, dass man in diesem Park als Herr nur allein spazieren geht, um genau das zu tun, was wir eben beobachten durften. Als dann ein Obelix auf dem Fahrrad ziellos um unsere Wiese herumfuhr, äußerte ich schon meine Vermutung, es sei sicherlich der Komplize des eben in die Flucht Geschlagenen. Dem war nicht so. Der Drei-Zentner-Mountainbiker warf sein Rad in die Ecke, scharwänzelte ein wenig um eine Tanne herum, machte seine Hose auf, schaute uns an und begann leidenschaftlich in einen Busch zu urinieren. Man hatte nicht den Eindruck, dass er sich lieber vor uns hätte verstecken wollen. Auch ein direkter Blick in seine Augen schüchterte ihn nicht ein. Er wollte eben gern mal drei Mädels anschauen und zeigen, was er noch für einen tollen Strahl hat. Klar, der ganze Park hat x heimelige Ecken, wo mann mal heimlich seine Blase entleeren gehen kann. Aber das war definitiv nicht die Absicht des Fahrradobelix'. Da packten wir unsere Sachen und flohen. So viel Mut, einem Drei-Zentner-Kerl hinterher zu schimpfen, hatte ich dann nicht mehr. Mal wieder freut man sich umso mehr auf zu Hause. Herrje. Primera despedida
Inzwischen ist es soweit: Die Leute fangen an, zu gehen.
Nicht nur, dass man hier ständig junge Leute mit Trekkingrucksäcken überladen weinend durch die Straße ziehen sieht. Nein. Auch uns hat es diesmal schwer getroffen: Pedro ist heute morgen um neun abgereist. Die nächsten vier Wochen verbringt er in London, Berlin, Prag, Rom, Florenz, Venedig, Nizza, Saint Tropez, Amsterdam und von dort aus geht es dann nach Mexico D.C. Und das geht jetzt für die kommenden zwei Wochen so weiter, bis ich als letzte übrig bleibe. Selbst meine werte Mitbewohnerin werde ich morgen das letzte Mal sehen, weil ich von Dienstag bis Samstag in Valencia sein werde und sie sich zwischendrin für zwei Wochen auf den Weg nach Portugal macht. Eine liebe Freundin macht sich schon am Montag heimlich auf den Heimweg, um daheim als Überraschungsei verpackt einzutrudeln. Dann ist die liebe Eva dran, dann Nadia, schließlich Andreas, und so bleibe nur noch ich, die ich dann mein Gepäck allein zum Busbahnhof schleifen kann. Die Erasmusstudenten werden über die Sommermonate von nordamerikanischen Schülerinnen und Schülern ersetzt, die zum Spanischlernen hier her kommen. Wäre ja zu einfach und vor allem zu stil-los, für solche Zwecke ins Nachbarland zu reisen. Obwohl sie dort mit der Auswahl ihrer Kleidung besser liegen würden. Sie scheinen nur mit Flipflops und Miniröcken angereist zu sein, an denen man sie bei Wind und Wetter auf 100m Entfernung erkennt. Fotos von Pedros Abschied: hier. Saturday, June 9. 2007Kulturschock![]() Wie bereits berichtet werden wir hier gerade mit einer Fülle verschiedener Kulturveranstaltungen versorgt. Über drei Events aus den letzten zwei Tagen kann ich wieder berichten. Am Donnerstag hat die Balkan Beat Box aus Israel mit ihren orientalisch angehauchten Ska-rhythmen nicht nur die Plaza, sondern auch mein Herz zum Hüpfen gebracht. Mit meiner Leidenschaft für den Missbrauch von Holzblasinstrumenten bin ich bei diesen wunderbaren Klezmerklängen ganz aus dem Häuschen geraten. Da habe ich direkt Lust gekriegt, gleich nach meiner Ankunft in Deutschland solche Töne aus der Klarinette zu prügeln. Leider wurde die Gruppe nach den ersten 20 Minuten etwas müde. Kein Wunder, wenn man mit dem Baritonsaxophon in der Hand das Publikum zum Mithüpfen animieren will. Am Freitagabend gab's dann frisch aus Berlin Chicks on speed, diesmal auf der dunklen Plaza. Ob sie veranlasst haben, dass das Licht ausgeschaltet wird? War jedenfalls sehr imposant. In Deutschland ohnehin unvorstellbar, dass ein Konzert nachts um 00h15 auf dem zentralen Platz der Stadt veranstaltet wird. Hier kommen die Anwohner runter und hören zu, statt sich zu streiten. Chicks on speed jedenfalls wieder mal eine mir vorher gänzlich unbekannte Formation. Anfangs war ich ein wenig skeptisch gegenüber ihrer Performance. Man wechselte alle paar Minuten die Kleidung und im Hintergrund liefen Diashows und Videos von überwiegend nackten Menschen. Hab' mich dann mit einem Kopfkratzen für die nächsten 60 Minuten von meinem Spießertum verabschiedet und neugierig den meistens halbnackten Electroclash-Girls (ich hab recherchiert!) beim Feiern zugeschaut. Nach ein paar Minuten bewegte sich der linke Fuß mit, dann irgendwann nahm ich auch die Beinchen dazu und kurz vor Schluss sah ich wahrscheinlich schon genauso zugekokst aus wie die Damen auf der Bühne. Fazit: Durchaus tanzbare Musik, dieser "Electroclash". Und dann dauernd diese netten Bildchen mit den nackten Leuten drauf. Das hat mich ganz ein wenig an die Dove-Kampagne erinnert. Durchaus eine Botschaft, die dem "alto componente feminista" (s. Programm) zuzuschreiben wäre. Kurz vor diesem Konzert sind wir noch zur Puente Romano heruntergestiefelt, um uns eine Performance des Straßentheaterensembles pan.optikum aus Freiburg anzuschauen: Ballgefühl Da musste ich allerdings nach zehn Minuten wieder gehen, der Calimocho, der im Kühlschrank voll Sehnsucht auf unsere Heimkehr gewartet hat, erschien mir die bessere Alternative. Ich habe es einfach nicht verstanden. Für diese Art von Theater bin ich wohl tatsächlich zu einfältig. Sie haben es sicherlich ganz toll gemacht. Thursday, June 7. 2007Willst mit Stil die Straße rocken, nimm die Hose aus den Socken.
Und noch ganz kurz:
Als angehende Lehrerin muss ich immer auf dem Laufenden sein, was bei den lieben Schülerchen gerade so im Trend ist. Längst kaputtdiskutiert und bekannt: Das Schüler VZ ist immer noch der Renner. Eine zehn Jahre jüngere Informantin aus familiärem Umfeld ließ mir eine Liste ihrer Schüler VZ-Gruppen zukommen. # "Schakke-line, komm wech von die Regale, du Arsch!" # abi 2013 # Die Ärzte Fans UND Anti Tokio Hotel # Döner macht schöner,auf Dauer auch schlauer # e-moll ist toll! # Echt jetzt?! - Nein, das ist Ironie, du Depp! # Ich kenne meine IKEA-Möbel mit Namen! # Ich lache Typen in rosa Polohemden aus! # Ich nehme keine Drogen.. ICH BIN SO! # Ich singe immer Lieder mit, auch wenn ich die Texte nicht kann # Ich ziehe an Türen, auf denen dick und fett DRÜCKEN steht # I´m a Kasseler, Homie! # Ja verdammt, meine Eltern wohnen immer noch bei mir! # Jack Black is a God # Jungs sind die größeren Zicken # Konservative halten die Evolution auf! # Latein versaute mein Leben e.V. # Mathe ist ein Arschloch und Physik ist sein kleiner Bruder! # Mensa Fridericiana suckt derbe Dick- Reloaded # Niveau ist keine Hautcreme. # Nur Idioten halten Ordnung. Genies beherrschen das Chaos! # Punkte, streifen, sterne, blumen, herzen, karos...alles toll # Reiche Eltern für ALLE! # Stoppt Tierversuche! Nehmt HipHopper! # Totenköpfe, Kirschen, kariert...alles schön! # VANS - keine Schuhe sondern eine Lebenseinstellung # Verpeiler sind geiler # Verstand ist besser als $tyle-Paris # Wann sterbe ich endlich, weil ich keine Kettenbriefe weitersende # wenn Zuspätkommen Kult wär, läg ich mal voll im Trend # Wer anderen eine Bratwurst brät, der hat ein Bratwurstbratgerät! # Wer im Glashaus wohnt, sollte zum kacken in den Keller gehen # Willst mit Stil die Straße rocken, nimm die Hose aus den Socken Schön, dass sich in den letzten zehn Jahren einfach nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Vielleicht habe ich zu einem späteren Zeitpunkt mal Lust, diese Liste an meine Pubertät anzupassen. Examenes
Inzwischen steht fest:
Zwei von fünf Klausuren sind bestanden. Dieses Ergebnis bedarf einer ausführlichen Analyse. Vor meiner Ankunft an einer der prestigeträchtigsten Universitäten Europas hörte ich andere Erasmusstudenten oft von den "niveaulosen" und "viel zu einfachen" Klausuren in Spanien berichten und verschwendete fortan keinen Gedanken an eventuelles Scheitern. Außerdem bin ich mit einer alle vorherigen übertreffenden Arbeitswut gekommen und war fest entschlossen, jeden Kurs zu bestehen. Beim Erstellen des Stundenplans war ich mir ganz sicher, dass ich hier, mit soviel Strebsamkeit im Bauch, sicherlich auch den vierten Teil des Kurses "Hispanoamerikanische Literatur" bestehen würde, ohne die vorhergehenden, eigentlich obligatorischen, drei Aufbaukurse besucht zu haben. Oben drauf noch einen Kurs in der Geographie-Fakultät, mit der ich ja prinzipiell gar nichts am Hut habe, wo ich aber einen Kurs belegen musste, weil sie die Partnerfakultät meines Fachbereiches in Deutschland ist. Auch der Titel des Linguistik-Seminars "Korrektes Spanisch" hat mich eher neugierig gemacht, obwohl er mich hätte abschrecken sollen. So blieben zwei Kurse, Direktübersetzung und Fremdspachendidaktik, mit denen ich so einigermaßen was anfangen konnte. In der hispanoamerikanischen Literatur saß ich zwei Mal pro Woche, anfangs noch wild hinterherstenografierend, bis ich mir dann eingestanden habe, dass ich die andalusische Powerprofessorin einfach nicht verstehe. Da war es dann auch schon zu spät, damit anzufangen, das Skript zu lesen. So nahm dann Tag für Tag die Arbeitswut ab. In "Korrektes Spanisch" konnte ich der Vorlesung nicht mehr folgen, da es mir als Nicht-Muttersprachler völlig unmöglich war, regionale Sprachvarietäten zu bestimmen und neue Akzentuierungsregeln zu verfassen. Jetzt muss ich mir natürlich überlegen, ob ich mich dafür schämen will, drei von fünf Prüfungen nicht bestanden zu haben, oder ob ich froh sein will, zwei von fünf Prüfungen bestanden zu haben. Nachdem mir meine lieben Kommilitonen ja noch in Deutschland berichteten, wie einfach hier alles sei, bin ich schon ein wenig geknickt. Wenn ich mich jetzt aber auf die Suche nach der Ursache für mein Scheitern mache, dann ist das nicht das teilweise etwas übertrieben ausgelebte Erasmusphänomen und auch nicht meine mangelnden Sprachkenntnisse. Würde ich alles nochmal machen müssen, würde ich mir beim Erstellen des Stundenplans mehr Zeit nehmen und mir Hilfe suchen. Innerhalb von zwei Wochen einen sinnvollen Stundenplan an einer fremden Universität mit Kursen in drei verschiedenen Fakultäten aufzustellen, erwies sich anscheinend als unmöglich. Ich habe im Januar hauptsächlich darauf geachtet, meine europäischen Kreditpunkte mit den ausgewählten Veranstaltungen abzudecken. Andere pragmatische Gesichtspunkte, die in Deutschland von großer Wichtigkeit sind, konnten hier missachtet werden: Freitags gibt es einfach keine Kurse, und von 14-17 Uhr ist IMMER Siesta. Was sind jetzt die Konsequenzen? Darüber gibt es immer noch keine einheitlichen Informationen. Da ich nicht mit dem Wunsch hergekommen bin, mir alle Leistungen, die ich hier erbracht habe (haha, zwei immerhin!) anerkennen zu lassen, werde ich zumindest damit keine Probleme haben. Sollte es wahr sein, dass man bei Nicht-Bestehen die letzte Erasmusrate nicht ausgezahlt bekommt, so juckt mich auch das nicht, weil ich ja bisher eh noch keinen Pfennig bekommen habe. Also fahre ich in zwei Wochen relativ entspannt nach Hause. Leichen im Keller
Ich streite mich ja nicht nur mit dem Auslandsbafögamt und dem akademischen Auslandsamt, sondern auch noch mit der GEZ. Ist von hier aus alles ganz prima zu regeln.
Ab und an erreichen mich die Mahnungen auch hier in Salamanca, wenn Papi so freundlich war, sie mir weiterzuleiten. Inzwischen habe ich mehrere freundliche Briefe an die GEZ geschickt, um jetzt zu erfahren, was ich längst hätte wissen müssen: Wenn ich nämlich vorübergehend im Ausland lebe, habe ich ja trotzdem noch einen funktionsfähigen Fernseher im Keller stehen. Und so lange der dort steht, eingekeilt zwischen Sofa, Waschmaschine und Bücherkisten, muss ich auch zahlen. Obwohl ich als Bafögempfängerin natürlich eigentlich gar nicht zahlen muss. Aber das haben die werten Herren von der GEZ (ich kann mir nicht vorstellen, dass in so einem Laden auch Frauen arbeiten können) schon wieder vergessen. Auf meinen letzten Brief, zur Sicherheit angereichert mit Bafögbescheid (zum dritten Mal) und spanischer Studienbescheinigung erreichte mich die Antwort: "Wir entnehmen Ihrer letzten Mitteilung, dass Sie Ihre Rundfunkgeräte abmelden wollen. Bitte füllen Sie das Antwortformular aus." Was schreibe ich da jetzt rein? Dass ich meinen Fernseher mit nach Spanien genommen habe, im Handgepäck von Germanwings, und hier keine öffentlich rechtlichen Fernsehsender empfangen kann? Nunja. Ich kenne niemanden, der noch nie mit der GEZ gestritten hat... wieso also nicht auch ich. Wednesday, June 6. 2007GulaschSunday, June 3. 2007Musik
Um mal wieder etwas positives aus dieser von der Frühsommerhitze aufgewärmten Mittelalterstadt zu berichten:
Hier findet momentan das Festival Internacional de las Artes de Castilla y León statt und es gibt Abend für Abend aufregende Konzerte. Diesmal ganz unter dem Motto "Elektropop". Das war bis jetzt nicht unbedingt meine Richtung. Nachdem ich aber gestern einem durchaus hörenswerten Konzert von der mir bisher durch mein Desinteresse gegenüber des Genres unbekannten Gruppe Ladytron gelauscht habe und es sehr genossen habe, bin ich fest entschlossen, sämtliche weitere Konzerte, die immer nachts auf der pittoresken Plaza Mayor vorm angeleuchteten Rathaus stattfinden, anzuhören. Auch der nicht-musikalische Rahmen des Festivals bietet vielversprechende Darbietungen in Theater und Performance. Diese allerdings nicht immer kostenlos, also halte ich mich davon fern. Ein sehr angenehmer Nebeneffekt: Das Festival lässt die Stadt ganz anders aussehen. Weniger mittelalterlich und ein bisschen offener für Neues. Man wartet nicht mehr an jeder Ecke auf Don Quijote und Sancho Panza. Thursday, May 31. 2007Back in Spain
Habe die Pfingstfeiertage verlängert und einen kleinen Ausflug Richtung Heimat gemacht.
Saß diesmal hier: Es gab ausreichend Mohnbrötchen, Regen, Ikea und Bäume. Man sollte meinen, mein D-Defizit sei jetzt wieder ausgeglichen. Leider ist das nicht so. Das Heimweh ist glatt noch größer geworden. Nicht, dass es hier nicht schön sei. Nur ein bisschen einsam im Moment. Einsamkeit ist ein Gefühl, das man nicht loswird, wenn man allein aus dem Flugzeug kommt und niemand auf einen wartet. Es ist zwar unglaublich cool, an den ganzen weinenden, plakatschwenkenden Freunden und Angehörigen mit Blumen oder Kindern auf den Armen vorbeizustiefeln, Richtung Metro, aber haben tut man davon nichts. Dann in den Bus von Madrid nach Salamanca steigen, und sich zu erhoffen, man könne sich dort ein wenig von den Flug- und Metrostrapazen erholen, erweist sich ebenfalls als Irrtum. Der Spanier an sich ist einfach ein lebendiger Mensch. Und anscheinend schwerhörig. Das scheint ein noch größeres Problem hier zu sein als bei den Italienern. Handys klingeln in Lautstärken, die daheim den MAK-Wert um das dreifache übersteigen würden. In ungefähr derselben Lautstärke wird dann auch telefoniert. Man will ja nicht, dass es einer der 50 Businsassen verpasst, zu erfahren, wo sich Mr. Móvil gerade befindet, wann er nach Hause kommt, an welchen Krankheiten er gerade leidet oder, venga, venga, dass er dann einfach später noch mal anruft. Dieses telefonische Megasoundevent ist nichts im Vergleich zu den an akustische Gewalt grenzenden Klängen aus dem Radio des Busfahrers. Kurz hinter Madrid, wenn in der Pampa kein gescheiter Radiosender mehr empfangen wird, schiebt er gern seine Lieblings-CD ein. Die peruanische Panflötengruppe in bunten Ponchos interpretiert sämtliche Schnulzen von Richard Clyderman, Cat Stevens und den Beatles neu. Das ist so schön! So schön, dass ebenfalls der Busfahrer der Meinung ist, auch wirklich alle Busreisenden mit seiner „Musik“ begeistern zu müssen. Spätestens wenn „El condor pasa“ plätschert, beschwert sich dann selbst Mr. Móvil. Bei dieser Lautstärke kann er schließlich nicht mehr telefonieren. Das juckt einen Busfahrer natürlich wenig. Man selbst entscheidet dann, sich zurückzuziehen, indem man seine Ohrstöpsel einsteckt, um beim Anschauen des Bordfilms zu entspannen. Bisher hatte das noch nie geklappt. Irgendwann sprang immer die DVD oder lief einfach nicht mehr weiter. Diesmal sollte es nicht anders sein. Außerdem schafften es meine Ohrhörer nicht, den Lärm aus dem Businneren zu übertönen. So gab ich dann auf, als der amerikanische GI auf einer pazifischen Insel die Nonne auf Mission verführen wollte. Den weiteren Verlauf der Reise habe ich dann darüber gegrübelt, wieso das Busunternehmen nicht dazu in der Lage ist, sein Filmprogramm zu aktualisieren. Schon im Januar, als ich hier ankam, lief vor dem Film Werbung für Weihnachtsklingeltöne, Weihnachtshandyverträge und Weihnachtsgutscheine von Corte Inglés. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen und wieder allein ausgestiegen, wieder vorbei am familiären Empfangskomitee, wodurch ich dann aber wenigstens schnell genug war, am Taxistand noch schnell einen Wagen abzugreifen, bevor mir die anderen zuvorkamen. Ich hatte keine Lust nachts um halb zwölf, im programmatischen Regen meine Tasche hinter mir her ziehend, durch die halbe Stadt zu laufen. Im Taxi habe ich noch versucht, die Horrorgedanken zu verdrängen, die sich in mir schon seit einigen Tagen gebildet hatten: Lässt man seine italienische Mitbewohnerin, die ja inzwischen Verstärkung bekommen hat, ohne dass mich jemand gefragt hätte, wirklich so lange allein? Wer wird daran denken, die Kühlschranktür zu schließen? Beim Eintreten in die Wohnung hat es nur gemüffelt, das war eigentlich schon alles. Natürlich war der Müll zum bersten voll und es lagen in einigen Zimmern halbverzehrte Speisen herum, aber das ist ja quasi Normalzustand. Leider nur war niemand da. Jetzt ist es elf Uhr und ich habe seit gestern um halb drei mit keinem Menschen mehr gesprochen. Außer mit dem Taxifahrer. So kommt es zustande, dass man hier ab und an am Jammern ist. Man hat dann immer ein kleines schlechtes Gewissen, weil es viele Bekannte gibt, die einen um diesen Auslandsaufenthalt beneiden und so lange bleiben würden wie möglich, um sämtliche Vorteile auszunutzen. Ein Problem, mit dem sich auch eine mir sehr vertraute, sich momentan im sehr weit entfernten Ausland befindende Dame beschäftigt. So einen Spruch wie: „Hey, hör auf zu jammern, du bist doch in Spanien! Spanien macht doch wohl alles wett!“ oder „ich an deiner Stelle würde gar nicht mehr wiederkommen!“ hört man ziemlich häufig. Die von der ganz schlauen Sorte stellen sich ein Auslandssemester in Spanien auch als verlängerten Strandurlaub mit Sangria-Eimern und Sonnenschein vor. Man muss sich dann überlegen, ob man sich dumm rausredet und sagt, schließlich hätte man Verpflichtungen und müsse rechtzeitig wieder in der Heimat ankommen, um sein Leben bis zum nächsten Semesteranfang wieder in den Griff zu kriegen, oder ob man einfach dazu steht, dass man eben gern nach Hause möchte, wo wieder Leute sind, die man gut kennt, wo es Bäume und Ikea gibt, wo man sich beim Brötchenkaufen nicht vorher 20 Vokabeln raus schreiben muss und wo man sich einfach sicherer fühlt, weil man sich besser auskennt. Ich selbst habe am Anfang genauso geredet. Ich würde eben so lange bleiben, wie es geht, was will ich schließlich daheim, die Prinzessin ist ja eh nicht da und überhaupt, Spanien ist viel besser. Ich würde sicherlich noch einen Sprachkurs machen, die komplette Nordküste abreisen und als Flamencotänzerin in Andalusien Geld verdienen. Tue ich aber nicht. So wie ich durch meinen Aufenthalt hier Spanien zu schätzen gelernt habe, habe ich auch zu Hause zu schätzen gelernt. Und das öde nordhessische Bergland mit seinen faden Feldern, grünen Wäldern und roten Dächern, über das ich mich gern auf der Landstraße beschwert habe, hat für mich inzwischen einen viel höheren Wert an landschaftlicher Schönheit. Das habe ich der Provinz Salamanca zu verdanken, die mich gelehrt hat, Mischwald zu vermissen. Zum weiteren Verlauf: Morgen Klausur, Montag Klausur, irgendwann Mitte Juni nach Valencia (im Bus, obwohl der Flug nur 4 Euro kostet) zu Pauline und, um es mal offiziell zu machen, am 21.6. wieder heim. Heim bedeutet für Juli und August ein Einzelappartement auf dem Campus, bis die Prinzessin wiederkommt. Wednesday, May 23. 2007Salamanca: Die kritische Selbstreflektion nach 4 Monaten Erasmus
Inzwischen herrscht hier eine gewisse Trostlosigkeit. Die ehemals immer gut gelaunten, Nacht für Nacht durch die Kneipen ziehenden Kommilitonen stehen plötzlich schon morgens um neun auf und beginnen, zu lernen. Selbst die feierwütigsten, die die Uni noch nie von innen gesehen haben und deren Tagesablauf normalerweise aus schlafen bis 14 Uhr, Kater ertragen bis 20 Uhr, schick machen bis 23 Uhr und ausgehen bis 9 Uhr besteht, verschanzen sich plötzlich hinter Bergen von Papieren und Büchern, und wenn man sie fragt, ob sie vielleicht zur Abwechslung mal ein Eis essen gehen wollen, wird man mit einem vorwurfsvollen Blick angeschaut und bekommt eine scheinheilige Antwort: „Aber nein, an so etwas kann ich jetzt nicht denken, ich muss noch 30 Seiten auswendig lernen.“
Ich, die ich die Mehrzahl meiner Klausuren bereits hinter mir habe, vertingel jetzt meine Zeit mit der lieben Eva, der es genauso geht. Apropos Klausuren: Es erwies sich als nicht unbedingt einfach, sich auf eine Klausur angemessen vorzubereiten. Es ist ja schon in Deutschland schwer genug, ungefähr einzuschätzen, welche Fragentypen die Damen und Herren Professoren bevorzugen. Da hier noch die allgemeine Verwirrung des Erasmusstudenten und Nicht-Muttersprachlers hinzukommt, ist es quasi unmöglich, effizient und ökonomisch zu lernen. Man will zwar gern jede Frage beantworten können, weiß aber auch nicht so recht, ob man dafür jetzt bis ins kleinste Detail auswendig lernen muss oder es reicht, einen Überblick im Kopf zu haben. Wird es enge Fragen geben, lohnt sich das Auswendiglernen. Wird es offene Fragen geben, reicht der Überblick. Weiß man das nicht vorher, ärgert man sich eventuell hinterher. So habe ich eine Klausur in Linguistik geschrieben, von der ich glaube, sie nicht bestanden zu haben, weil ich nicht jedes kleinste Detail auswendig gelernt habe. Die Fragen waren aber so eng, dass man höchstens mit einem Satz antworten konnte. Im Gegensatz dazu war die Didaktik-Klausur sehr offen konzipiert und ich habe mir innerhalb von drei Stunden die Finger wund geschrieben. Da diese Klausur jetzt aber über so viel Inhalt verfügt, der höchstwahrscheinlich viele Verwirrungen grammatikalischer und vokabularischer Art enthält, kann es hier auch sein, dass meine hochintelligenten Hirnergüsse in Zeitenfehlern untergehen. Von der mündlichen Prüfung im Feministinnen-Seminar wollen wir mal lieber gar nicht sprechen. Nur zwei Dinge: 1. Ich habe versucht, vor der radikalfeministischen Professorin die Herrenwelt in Schutz zu nehmen. 2. Ich bin durchgefallen. Es gibt nicht mehr viel Erasmusfeierei in town, weil, wie bereits oben beschrieben, die lieben Studenten ihre Nasen nur noch in Bücher stecken, statt in Gläser. Ab und zu begegnet man mal ein paar frisch eingetroffenen Amerikanerinnen, die in Salamanca einen Sprachkurs belegen und sich abends darüber freuen, dass man hier zum Saufen nicht 21 Jahre alt sein muss. Der ein oder andere zerstreute Erasmusstudent findet sich abends nur noch in den Kneipen ein, wenn er eine bestandene oder wenigstens hinter sich gebrachte Klausur zu feiern hat. An den Fragen beim immer noch regelmäßig stattfindenden gemeinsamen Abendessen erkennt man, dass die finale Gardine bereits auf halbem Weg in Richtung Boden angekommen ist: „Wann ist Deine nächste Klausur?“, „Verreist Du noch, bevor Du heimfährst?“, „Gehen wir zusammen auf die Abschiedsparty von XY?“, „Wann geht Dein Flug nach Hause?“ oder „Hast Du eine Waage?“ Man orientiert sich also wieder in Richtung Heimat, genau wie ich. Ich suche eine Unterbringung in Kassel, bis die werte Prinzessin zurückkommt, damit ich mit ihr in unseren gemeinsamen Palast ziehen kann. Ich suche eine Arbeit in Kassel, damit ich die Unterbringung finanzieren kann. Ich nehme online an Kursen der Uni Kassel teil, damit ich gleich resozialisiert werde. Und freue mich auf die vielen kleinen Dinge, von denen ich bereits das letzte Mal schon geschwärmt habe. Die letzten vier Wochen werden jetzt, abgesehen von zwei Klausuren, die nach Pfingsten noch anstehen, in vollen Zügen genossen. Dann gibt es noch mal Pinchos, Kino, Menú del día, einmal hoch auf die Kathedrale, Käffchen auf der Plaza und ab nach Hause. Saturday, May 19. 2007Zwischennotiz
Die Ferien haben angefangen und somit auch die Klausuren. Vorbei mein Studium an der Universidad de Salamanca. Dafür noch vier von fünf Klausuren. Eine habe ich schon hinter mich gebracht, über meine Vermutungen bezüglich des Ergebnisses werde ich hier aber niemanden in Kenntnis setzen. Zwei folgen am Montag (eine schriftlich, eine mündlich) und der Rest dann nach Pfingsten.
Nachdem ich mich über eben diese Feiertage mal kurz verabschiede, geht es dann Mitte Juni nochmal nach Valencia und dann sind auch schon fast die viereinhalb Wochen rum, die ich noch hier bin. Wer hätte das gedacht? Monday, May 14. 2007Cañones del ebro
Soll sich 'ne Posaune schnappen und hinter's Bigbandpult setzen, dann glaub ich's ihm. Gut. Dann habe ich fünf Stunden geschlafen und auf ging's zur großen Wanderung durch die Ebroschlucht. Das war wirklich sehr schön. Zuerst war ich etwas überrascht, dass direkt nach der Ankunft im Dörfchen erstmal gemütlich gefrühstückt wurde. Dann irritierte mich aber das flotte Tempo, als es endlich losging. Auch das habe ich in den Griff bekommen und habe keinerlei Schäden davon getragen. Klar, Beine sind tot, Füße sind wund, aber sonst alles prima. Dafür habe ich Bäume, Berge, ausgestorbene Dörfer, Schlüsselblumen, Eidechsen und Fischis gesehen. Wunderschönes Fotos: hier. Saturday, May 12. 2007dinero dinero
Es ist doch wirklich sehr unangenehm, wenn man jedes Mal beim Checken des Online-Kontoauszugs feststellen muss, dass einfach nichts passiert. So warte ich zum Beispiel seit drei Wochen auf die vom Auslandsamt damals sogar per Email angekündigte Auszahlung der zweiten (der zweiten! Im Mai!) Erasmusrate. Als mich die Email erreichte, war ich plötzlich ganz entspannt und habe meinen Glauben und Auslandsamt, Erasmus und Bafög fast wieder gewonnen.
„Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie die Zahlung der zweiten Erasmusrate trotz Fehlens des Bafögbescheids innerhalb der nächsten Tag erreichen wird.“ Hmhm. Lustiger Verein. Alles, was mich hier bisher erreicht hat, ist eine popelige Rate von irgendwann, Ende März. Und dann, nachdem die Inlandsbafögzahlungen schon im Januar eingestellt worden waren, kam Ende April ungefähr die Hälfte des erwarteten Betrags an. Allerdings ohne Bafögbescheid. Obwohl ich den brauche, für die Erasmussache. Es wundert mich, wieso die Auszahlung der zweiten Rate von der Bafögerklärung abhängt. Das ist doch irgendwie kontraproduktiv. Anfangs empfand ich es gerade als besonders angenehm, dass die Zahlung vom Mobilitätszuschuss unabhängig vom Bafög ist, und nun muss ich feststellen, dass dem gar nicht so ist. Obwohl ich rechtzeitig alle Formulare im Auslandsbafögamt in Heidelberg fristgerecht eingereicht habe, kam bisher noch kein Bescheid. Ich kann also schlecht ein Formular nach Kassel schicken, welches noch nicht mal hier in Salamanca angekommen ist. Damit sich in Heidelberg überhaupt was bewegt, musste ich ja auch erstmal dort anrufen, obwohl davon auf dem letzten Brief vom September 2006 ausdrücklich abgeraten wird. Mit Anrufen verlängere man unnötig die Bearbeitungszeit. Am Telefon könne einem sowieso niemand weiterhelfen. Als ich dann allen Mut zusammennahm und mich traute, wurde ich doch tatsächlich gefragt, wieso ich nicht längst angerufen hätte, wenn es doch so dringend sei. Der werte Leser kann sich also gut vorstellen, wie frustriert ich hier manchmal in der Ecke hänge. Hätte ich vorher gewusst, mit wie viel Aufwand die Realisierung eines Auslandssemesters verbunden ist, hätte ich mich nie beworben. Zumal in Kassel seit einigen Semestern die Rede von einem auch für Lehramtsstudenten verpflichteten Auslandssemester ist. Das heißt, prinzipiell müssen wir Lehrer gar nicht gehen. Wenn wir es aber nicht tun, können wir auch das Studium gleich liegen lassen, weil es sonst keinen Wert mehr hat. Wenn es also quasi verpflichtend ist, wieso kommt niemand mit der Kohle hinterher? Man schickt die lieben Studenten ins weit entfernte Ausland, lockt sie mit leckeren Erasmusraten und Mobilitätszuschüssen und zwingt sie zum Besuch von 8746587651654 Informationsveranstaltungen. Dort erzählt einem dann jedes Mal dieselbe unsympathische Powerpoint-Presentatrice, dass jeder, also wirklich jeder, ins Ausland gehen kann. Es würde jedem ermöglicht, da es ja auch quasi als verpflichtend gilt, ein Semester im Ausland zu absolvieren und man möge sich bitte umgehend und ohne zu zögern bewerben. Hätte ich jetzt nicht noch einen kleinen Job, den ich auch von hier aus erledigen kann, dann hätte ich eigentlich gleich zuhause bleiben können. Inlandsbafög gibt’s ja seit Januar nicht mehr, Auslandsbafög kam nach 4 Monaten, Ende April. Damit wurde dann erstmal das überzogene Konto ausgeglichen. Mit den 250€ der ersten Erasmusrate kann man die Kaution für das Ranzzimmer bezahlen und den verpflichtenden Sprachkurs. Was ist das für eine finanzielle Unterstützung, die einen erst erreicht, wenn man schon wieder zuhause ist? Ich kann also nur wiederholen: Ich würde aufgrund der finanziellen Probleme, auf die ich hier stoße, nie wieder, nie nie nie nie nie nie wieder ins Auslandssemester gehen. Denn meine Erfahrungen, die ich inzwischen mit Fachbereichskoordinatoren, Auslandsämtern und Bafögämtern habe, kann ich mir nicht als erbrachte Leistungen anerkennen lassen. Ich erwäge trotzdem einen Vermerk in meinem Lebenslauf: „Nebentätigkeit: Zettel auftreiben, unterschreiben lassen, stempeln lassen, kopieren, übersetzen, wegfaxen, zurück bekommen, korrigieren, anzünden.“
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