Kassel-Flash:
Sonntagmittag zurück in Kassel angekommen. Montagmorgen bereits unter Zeitdruck zu verschiedenen Ämtern gerast. Zwischendurch von Sehnsucht fehlgeleitet beinahe an der Haltestelle meiner ehemaligen Wohnung ausgestiegen. Es sieht alles ganz anders auch und doch hat sich nichts verändert. Ich kenne nach wie vor die Straßenbahnpläne auswendig, bin dann aber ein wenig verwirrt, wenn man zwischen 15 Uhr bis 17 Uhr überall einkaufen kann. Es ist einfach alles ein bisschen schneller. Und leise. Sehr leise.

documenta-Flash:
Beim ersten Spaziergang durch die Stadt am Sonntagnachmittag konnte ich mir einen Überblick über die Ausnahmesituation meiner Heimatstadt machen. Kunstwerke waren vom Wind umgeblasen worden, Harfenspieler in Strumpfhosen mit aufgestickten Herzchen nutzten den Trubel, um Laufpublikum mit ihrem Lärm zu belästigen und wer nicht mindestens ein auffälliges Kleidungsstück oder eine auffällige Frisur aufweisen konnte, wurde sofort als Einheimischer "Nur-mal-Gucker" erkannt. Bezüglich der männlichen Homosexualität gleicht das Stadtbild zur diesjährigen documenta fast dem kölnischen. Die diversen Stadtbildveränderungen müssen meiner Meinung nach nicht unbedingt als Verschandelungen verschrien werden. Nur der Auepavillon, der sieht tatsächlich furchtbar aus und war dafür, dass eine grüne Wiese dafür drauf gehen musste, sein Geld definitiv nicht wert. Davon, die Reisterassen am Schlossberg zu besichtigen, wurde mich abgeraten. Die seien nichts geworden, man hätte vergessen, dass Wasser unterspült und der Hang sich selbst runterrutscht. Nun anscheinend keine Terassen mehr. Mal sehen, wann das Schloss mit dem Hang runterrutscht. Das wäre mal ein Gag. Genauso wie die leider verpasste Chance, als Ai Wei Weis "Template" umgestürzt ist, leider einen Tag nachdem gerade der Herr Ministerpräsident darunter stand, um die standhaften Nordhessen mit seiner verbalen Diarrhoe über christdemokratische Kunstrezeption zu vergraulen.
Finanz-Flash:
Das Heidelberger Bafög-Amt, zuständig für das Auslandsbafög für deutsche Studenten in Spanien, hat mir eine nicht unbedeutende Summe unterschlagen. Darauf wies mich mein überraschend sehr freundlicher neuer Sachbearbeiter in Kassel gestern hin. Ob noch Widerspruch eingelegt werden kann, ist zu überprüfen.
Eine weitere unangenehme Tatsache, für die ich diesmal leider niemanden außer mich selbst verantwortlich machen kann ist, dass die Umstellung von Auslandsbafög auf Inlandsbafög nicht automatisch erfolgt. Es muss ein Folgeantrag gestellt werden.Was ich leider verpasst, weil nicht gewusst, weil nicht aufmerksam gelesen habe. So gibt es also jetzt erstmal gar kein Geld, weswegen ich nun doch nicht im Wohnheim wohne, sondern bei Vattern auf dem Sofa. Das wiederum beschert mir einen weiteren finanziellen Einbruch: Wenn ich bei Papa wohne, gibt es nur 23 Tacken. Von 23 Tacken im Monat kann man keine 230 sparen, um im September in eine nette kleine Wohnung mit der Prinzessin zu ziehen. Schlussendlich braucht man also einen neuen Job. Einen habe ich schon, man weiß nur nie, wie lange noch. Für zwei andere habe ich durchaus Chancen, von dem einen werde ich heute erfahren, ob ich ihn habe, vom anderen morgen. Damit hätte ich drei Jobs. Was wieder schlecht ist für die Liebe, die Steuerklasse, das Kindergeld und das Bafög überhaupt. Es bleibt spannend. Ich appeliere also weiterhin an alle aktuellen oder zukünftigen Erasmusbafögempfänger, genügend Steinchen aufzuhäufen
bevor es losgeht. Auf die Frage, woher die Steinchen kommen sollen, kann ich leider keine Antwort geben.
Ich weigere mich seit zwei Tagen, meine Freunde zu treffen. Heute fange ich wohl mal damit an.
Nachtrag:
Ich darf natürlich das Vorher-Nachher-Ergebnis nicht vorenthalten. Mein Schamgefühl in Spanien gelassen präsentiere ich:

Vorher vs. Nachher